Susanne Wilhelm, lebt mit Mann und zwei Katzen „tief im Westen“, in Wanne-Eickel, mag Herbert Grönemeyer und den VfL Bochum und den „Pott“ sowieso.

Seit dem Studium der Politik-, Medienwissenschaften und Pädagogik ist sie als Quereinsteigerin beruflich in den Bereichen Marketing, Beratung und Vertrieb zu Hause. 2017 hat sie eine Weiterbildung zum Qualitätsmanager absolviert, die sie begeistert hat. Nicht zuletzt, weil hier ganzheitliche Ansätze und Verbesserung im Mittelpunkt stehen. Privat engagiert sie sich im Tierschutz, liebt die Natur und alles was Pfoten, Hufe, Flossen oder Flügel hat.

 

Frauennetzwerk Desperate Workwives Interview Susanne Wilhelm

 

Susanne Wilhelm

Projektmanagerin Marketing & Vertrieb

 

 

Wie verbindest du Job und Familie?

Das ist zum Glück keine große Herausforderung, da meine Familie aus Mann und zwei Katzen besteht. Mein Mann kümmert sich um die Dinge im Haushalt, die ich nicht so sehr mag, wie einkaufen, kochen und staubsaugen. Den Rest teilen wir dann gerecht auf. Ich habe jetzt einen Job mit einem kurzen Anfahrtsweg, geregelten Arbeitszeiten und Gleitzeit, das ist perfekt für uns. In früheren Zeiten hatte ich oft Jobs, bei denen ich zwischen zwei und vier Stunden täglich hin- und herfahren musste. Da habe ich viel Lebenszeit auf der Straße und im Stau verbracht.

 

Du hast ja einen langen Bewerbungsmarathon hinter dir, bis du endlich deinen Traumjob gefunden hast. Wie hast du es geschafft, nicht den Mut zu verlieren? 

Die Kündigung kam 2017 für mich überraschend, aber ich habe mich in meiner ehemaligen Firma seit Jahren nicht mehr wohl gefühlt. Von daher war die berufliche Auszeit für mich eine große Chance, mich neu zu sortieren. Ich wollte nicht in die „Opferrolle“ fallen und mir darüber Gedanken machen, was alles nicht geht, so als Frau, über 50, mit einem nicht so gradlinigen Lebenslauf. Ich habe an mich geglaubt und irgendwann angefangen, mich intensiver mit mir und meinen Bedürfnissen zu beschäftigten. Was ich beruflich nicht wollte, war mir immer relativ klar. Was ich aber stattdessen will und kann, war mir nicht ganz so klar. In Gesprächen mit potentiellen Arbeitgebern, war ich wechselweise „überqualifiziert“, „zu wenig spezialisiert“ oder einfach zu teuer. Durch ein Coaching habe ich schrittweise herausgefunden, was mir wirklich wichtig ist, wo meine Stärken und Schwächen liegen und was ich will und kann. Dadurch wurden mir viele Dinge bewusster und ich habe begonnen, mich neu zu positionieren. Offensichtlich hat das gewirkt, ich habe jetzt einen Job gefunden, bei dem ich im ersten Vorstellungsgespräch direkt eingestellt wurde, zu meinen Bedingungen.

 

Hattest du das Gefühl, dass es als 50+ schwieriger auf dem Arbeitsmarkt ist?

Sicherlich spielt das Alter immer eine Rolle, ist aber gleichzeitig  die einzige Komponente, die sich nicht aktiv ändern lässt. Ich hatte das Glück, bei der Agentur für Arbeit sehr schnell eine Weiterbildung zur Qualitätsmanagerin bewilligt zu bekommen. Die Weiterbildung hat mir riesigen Spaß gemacht und mir erneut gezeigt, dass ich „alles“ lernen kann. Zudem halte ich Erfahrung für ein wertvolles Gut. Bei mir ist es so, dass ich z.B. durch meine Erfahrungen mit Problemen, viel gelassener in Streß-Situationen reagiere. Wenn alle ins Drama gehen, dann bin ich diejenige, die „atmet“, die Übersicht herstellt und dann anfängt Lösungen vorzuschlagen.

 

Du arbeitest jetzt als „Vertriebsmanagerin Planung und Organisation“. Was sind deine Aufgaben?

Ich arbeite in einer Sicherheitsdruckerei, wir stellen fälschungssichere Produkte wie Sicherheitsetiketten, Klebesiegel, Plaketten und Ausweispapiere hert. Der Firma geht es sehr gut, allerdings wurde es bislang versäumt, z.B. die Informationen über Produkte und Kunden, einheitlich zu erfassen und auszuwerten. Meine Aufgabe ist es, diese Zahlen, Daten und Fakten zu sammeln, aufzubereiten und Strategien zu entwickeln, um unsere Bestandskunden optimal zu bedienen. Gleichzeitig behalte ich den  Wettbewerb und die Märkte im Auge und erschließe neue Kundengruppen für unsere Produkte.

 

Wenn du drei Wünsche frei hättest, was würdest du dir für deine Karriere wünschen?

Das es weiter spannend und herausfordernd bleibt und ich optimale Lösungen finden darf und dabei immer auf Menschen treffe, die den ehrlichen Austausch mögen und Wertschätzung leben.

 

Wie lange bist du schon ein Desperate Workwife? Was bedeutet das für dich?

Ich bin seit 2012 dabei und war von Beginn an begeistert über den respektvollen Umgang miteinander. Das fand und finde ich sehr positiv und eher ungewöhnlich, so im virtuellen Leben. Bei den DWW  kann jede Frau ihre Themen einbringen und erhält Hilfestellung, neue Denkanstöße, Unterstützung oder Zuspruch und Anteilnahme. Einige DWWs kenne ich auch „in echt“. Bei meinem bislang einzigen DWW Treffen fand ich es beeindruckend, dass man mit den Frauen die man dann endlich live trifft, so gar nicht fremdelt.

 

Was möchtest du anderen Frauen mit auf den Weg geben?

Tu was Du  willst und steh dazu. Damit meine ich nicht, Augen zu und durch, sondern hör auf Dich, Deine Bedürfnisse und nimm Dich selbst wichtig genug, um auch mal „Nein“ zu sagen.

 

Was liegt Dir besonders am Herzen und treibt Dich an?

Mein „Herzensthema“ ist unser aller Umgang mit der Natur und unsere Mitwelt. Ich finde, dass wir uns seit Jahren als Gesellschaft in eine Richtung entwickeln, die uns handlungsunfähig macht. Politische Debatten werden bestimmt von Menschen die auf Ausgrenzung, Erzeugung von Neid, bewussten Lügen und Leugnung von Fakten setzen. Ich wünsche mir sehr, dass wir weniger motzen, meckern und mutlos werden. Ich wünsche mir dagegen sehr, dass wir unsere Energie dazu zu nutzen, um zu schauen, wo kann ich persönlich etwas verändern und besser machen.

In der letzten Zeit habe ich aber wieder Hoffnung, dass sich etwas bewegt und wir endlich die Kurve bekommen. Ich bin fasziniert davon, dass die junge Generation anfängt, aufzustehen und laut zu werden. Sie haben erkannt, dass unser bisheriges Handeln ihre Zukunft massiv beeinflusst und wollen uns die Verantwortung dafür nicht weiter überlassen sondern setzen sich aktiv ein. Das verdient Respekt und rüttelt uns hoffentlich endlich wach.
 
 

Herzlichen Dank, liebe Susanne, für dieses tolle Interview!

11 Kommentare
  1. Erdme 9 Monaten her

    Liebe Susanne,

    danke für dieses schöne Interview! So habe ich dich in echt auch kennen gelernt. Wir sollten uns mal wieder treffen 😀Es soll ja ein Pott-Treffen geben, dann sollte das wohl mal wieder klappen! Ich freue mich schon drauf!!

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    • Susanne Wilhelm 9 Monaten her

      JA, das sollten wir auf jeden Fall mal wieder hin bekommen, ich freue mich auch darauf

  2. Fritzi 9 Monaten her

    Sehr schöne Vorstellung – das Thema Arbeitssuche über 50 interessiert mich ja auch. Es macht Mut zu lesen, dass es auch dann noch klappen kann

    • Susanne Wilhelm 9 Monaten her

      Es freut mich, wenn Du mutig bist und bleibst, ich wünsche Dir viel Erfolg.

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  3. Anke 9 Monaten her

    Liebe Susanne, vielen Dank für das tolle Interview.

    • Susanne Wilhelm 9 Monaten her

      Danke Dir.

  4. Sigi 9 Monaten her

    Liebe Susanne, Du bist das beste Beispiel dafür, dass es sich lohnt in sich selbst zu investieren und nicht aufzugeben. Danke für dieses Interview.

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  5. Susanne Wilhelm 9 Monaten her

    Danke, liebe Sigi

  6. Tanja 9 Monaten her

    Ein tolles Interview! Und wirklich mutmachend, in allen Dingen.

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  7. Angela 9 Monaten her

    Ein klasse Interview, liebe Susanne, so, wie ich dich kenne! Nach vorne schauend, konstruktiv, aktiv und mitfühlend! Ich freu mich darauf, dich auch mal in live zu treffen 😉

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  8. Margarita Moerth 9 Monaten her

    Sympathisch, besonnen, zentriert, – eine gute Startbasis für eine neue Berufslaufbahn mit 50+, wie Du gerade unter Beweis stellst, liebe Susanne.
    Wundervolles Interview, danke!

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