Als gebürtige Harzerin hat es Petra Müller vor über 30 Jahren ins Schwäbische verschlagen. Auch wenn die Sprache in ihren Ohren immer noch fremd klingt, fühlt sie sich in ihrer neuen Heimat pudelwohl. Hier hat sie erst in ihrem Ausbildungsberuf als Schmuckfachverkäuferin gearbeitet, ehe sie als Alleinkraft in das Büro eines Familienunternehmens im Handwerk wechselte. Die neuen Herausforderungen in der Verwaltung eines solchen Unternehmens kamen ihrem Wissendurst entgegen. Wenn auch die kaufmännische Vorbildung viel half. 2007 entschied sie, dass es Zeit war, das erworbene Wissen auch anderen Unternehmen zur Verfügung zu stellen und gründete ARISA Office. Seitdem berät sie kleine und mittlere Unternehmen in den Bereichen Finanzen, Personal, Controlling, Kostenrechnung und Office-Diensten.

Petra ist verheiratet und hat einen erwachsenen Sohn. Sie liebt die Sonne und die Wärme, ist gern im Garten und kann sich wunderbar die Zeit mit puzzeln vertreiben.

 

 

Petra Müller

selbständige Bilanzbuchhalterin

ARISA Office
Speyerer Str. 4
74078 Heilbronn

post@arisa-office.de

www.arisa-office.de

 

 

Wie verbindest du Job und Familie?

Heute ist das leicht, da mein Sohn bereits erwachsen ist. Als er kleiner war, habe ich viel von zu Hause arbeiten können. Das hat die Vereinbarung von Job und Familie vereinfacht. Heute muss ich bewusst darauf achten, das Wochenende ohne Arbeit zu verbringen, denn mein Job und meine Selbständigkeit bereiten mir viel Freude. Zum Glück habe ich einen Partner, der Verständnis für mich hat, wenn ich mal wieder Arbeit in das Wochenende mitnehme. Aber ich versuche, dies so wenig wie möglich zu tun.

 

Wenn Du drei Wünsche frei hättest, was würdest du dir für deine Karriere wünschen?

Ach Gott, ich gehe langsam aber sicher auf die 60 zu. Okay, jeder unter 60 tut dies, aber mein Weg ist nicht mehr so lang ?. Also was soll ich mir noch Gedanken über eine Karriere machen? Mein Ziel ist eher ein langsamer Ausstieg. Nicht unbedingt aus dem Berufsleben, eher aus dem Stress und dem Eingespannt sein in den Alltagstrott. Darum möchte ich meinen Arbeitsalltag umgestalten. Mitarbeiter finden, die mich von Buchhaltungsarbeiten entlasten, damit ich mich mehr auf Beratung und Seminarangebote konzentrieren kann. Die ersten Schritte in diese Richtung sind bereits getan. Meine Webinare halte ich auf www.edudip.com/academy/Petra.Müller  und auf www.arisa-academy.de baue ich eine Online-Akademie mit kaufmännischen kaufmännische Kursen auf.

Einen Wunsch hätte ich aber doch, damit ich meinen Weg leichter beschreiten kann: schneller geeignete Mitarbeiter finden.

 

Was möchtest Du anderen Frauen mit auf den Weg geben?

Nichts. Das hat zwei Gründe. Zum einen müssen meine Erfahrungen und Weltansichten nicht zu anderen Frauen passen. Jeder ist individuell und soll seinen Weg gehen. Und von Sprüchen, wie lebe dein Leben oder lebe deinen Traum, halte ich wenig.

Ich bin die Praktikerin, wenn ich Tipps oder Ratschläge erteile, dann konkrete. Doch warum soll ich diese nur Frauen mit auf den Weg geben. Diese Unterscheidung männlich / weiblich ist nichts für mich. Das ist der zweite Grund, warum ich hier niemanden etwas mit auf den Weg gebe.

 

Du beschäftigst Dich beruflich mit etwas, vor dem es vielen Unternehmerinnen graust: Der Buchhaltung. Was reizt Dich an dem Thema?

Selber schuld, wenn Du das fragst, denn das ist mein Lieblingsthema ?.

Ich bin jemand der die Logik und Ordnung mag. Und Buchhaltung ist extrem logisch. So wie Du werden jetzt viele lachen, aber es stimmt. Es gibt ganz einfache Regeln, die bereits seit über 500 Jahren so unverändert gelten. Es fasziniert mich, dass etwas so lange Zeit trotz Wandel und Fortschritt weltweit immer noch so gelten wie im Mittelalter. Was Buchhaltung schwer verständlich macht hat eigentlich nichts mit Buchhaltung zu tun, sondern mit dem Steuerrecht.

Heute wird Buchhaltung und Steuern in einem Zug genannt, da für viele die Buchhaltung nur zur Ermittlung der Steuern gut ist. Erdacht aber wurde sie, damit Unternehmer(innen) sich leicht und schnell einen Überblick über den Erfolg ihres Unternehmens machen können.

Werden alle Geschäftsvorfälle sorgfältig erfasst, kann man tatsächlich zu jeder Zeit sagen, wo das Unternehmen steht. Die Buchhaltung erlaubt die systematische Aufbereitung sämtlicher Geschäftsvorfälle und die Extraktion finanzmathematischer Kennzahlen zur Steuerung des Unternehmens. Und wer die Zahlen aus der Buchhaltung richtig lesen kann, sieht auch sofort woran das liegt. Das Grundprinzip ist, dass zu jedem Zu- oder Abgang ein Gegenkonto geführt wird. Durch diese Art der Aufzeichnung wird ein Überblick auf sämtliche Teile eines Geschäftsvorfalls möglich. Die Konten können verglichen und Fehler entdeckt werden.

Ich würde jetzt gerne viel mehr über die Buchhaltung erzählen, aber ich fürchte, ich bin die einzige, die sich so dafür begeistern kann. Ich sehe in der Buchhaltung ein wahnsinnig tolles Werkzeug, das dem Unternehmer (der Unternehmerin) für die Steuerung des Unternehmens und zur Erzielung bzw. Steigerung des Gewinns sehr nützlich ist. Auf das leider unvermeidliche Steuerrecht könnte ich allerdings gut verzichten.

 

Du konntest uns Workwives schon oft mit Deinem Fachwissen helfen. Wie hälst Du Dich bei den ständigen Änderungen auf dem Laufenden?

Wie erwähnt kommen die ständigen Änderungen aus dem Steuerrecht. Um hier nicht den Anschluss zu verlieren, ist die kontinuierliche Auffrischung und Erweiterung des beruflichen Know-hows ein wichtiger Faktor. Und dabei hilft nur lesen, informieren, Seminare besuchen. Ich gebe im Jahr ein kleines Vermögen an Newslettern, Seminaren und Fachzeitschriften aus. Natürlich, weil mich die Themen interessieren, aber auch um zu erfahren, worüber die allgemeine Presse nicht berichtet. Zum Beispiel, dass in Schweden das Bargeld inzwischen verpönt ist und die Bettler auf der Straße Kartenlesegeräte haben. Oder das in Italien ab 2019 nur noch elektronische Rechnungen ausgestellt werden dürfen, egal ob an andere Unternehmen oder gegenüber Privatkunden.

Aber zurück zur Frage. Fort- und Weiterbildung ist für mich ein wichtiges Thema, nicht nur weil es beruflich für mich notwendig ist. Ich habe mein ganzes Leben nie aufgehört zu lernen. In der Schule war das nicht so erfolgreich, muss ich zugeben. Der Unterrichts- und Lernstil der Lehrer deckte sich so gar nicht mit meinem. Dann bin ich in die Ausbildung gegangen und von da an bedeutete Lernen auch Erfolg. Und Wissenserweiterung. Ich finde es sehr spannend neues Wissen zu erlangen. Das hatte nicht immer mit meinem Beruf zu tun. Ich habe mich auch auf anderen Gebieten weitergebildet. Aber seitdem ich selbständig bin, gilt mein Wissensdurst der Buchhaltung und dem Steuerrecht. Ich kann mir nicht vorstellen, jemals aufzuhören zu lernen.

 

Dein Unternehmen ist ein bei der IHK eingetragener Ausbildungsbetrieb. Wieso hast Du Dich entschlossen, junge Menschen bei einem guten Start ins Berufsleben zu unterstützen?

Die Wissensvermittlung ist ein Herzensthema für mich. Nicht nur, dass ich habe bereits vor meiner Selbständigkeit ausbilden durfte. Ich war auch über 10 Jahre Vorlesepatin in einem Kindergarten. Beim Vorlesen war es mir wichtig, nach dem Lesen die Kinder nicht allein zu lassen mit dem Gehörten. Darum habe ich immer mit den Kindern danach etwas gemalt oder gebastelt. So ähnlich gehe ich auch an die Ausbildung heran. Ich möchte die Auszubildenden auch nicht allein lassen mit dem Gehörten, sondern wir sprechen die Materie immer durch, ich zeige Zusammenhänge auf und lasse auch Übungen machen, wenn nicht sowieso Arbeit zu diesem Thema ansteht.

Aktuell bilde ich in Kooperation mit einem Bildungsträge eine Umschülerin aus. Ich gebe zu, es gibt zwei egoistische Gründe, warum ich dies tue. Erstens: Es macht mir höllisch viel Spaß, mein Wissen weiter zu geben. Das habe ich schon festgestellt, als ich im Angestelltenverhältnis ausgebildet habe. Und zweitens: Als kleines Unternehmen fällt es sehr schwer bezahlbare Fachkräfte zu bekommen. Also Mitarbeiter, die etwas von Buchhaltung verstehen und die mich umfassend entlasten könnten. Darum bilde ich aus. In der Hoffnung nach der Prüfung eine Fachkraft zu haben, die bereits die Abläufe in meinem Unternehmen und die notwendigen Handgriffe kennt. Damit ich mehr Werbeaktionen durchführen, in mein Steckenpferd, die Webinare, investieren und mein anderes Steckenpferd, die Online-Akademie, ausbauen kann. Und auch, um mal mehr als nur eine Woche Urlaub machen zu können.

 

Du bist zertifizierte selbständige Bilanzbuchhalterin und zertifizierte Existenzgründungsberaterin. Was hat es damit auf sich und warum hast Du die Zertifizierungsprüfung abgelegt?

Es gibt für den Buchhalter keinen Ausbildungsberuf. Jeder, der eine kaufmännische Ausbildung macht, lernt ein wenig Buchhaltung mit. Und wer sich als Buchhalter selbständig machen will, kann dies auch ohne Vorkenntnisse tun. Ohne kaufmännische Vorbildung darf man allerdings nur eingeschränkte Aufgaben übernehmen. Mit einer kaufmännischen Ausbildung und mindestens 3 Jahren Berufserfahrung dürfen dann etwas mehr Aufgaben übernommen werden. Da der potenzielle Kunde meine Vorbildung und meine Kenntnisse nicht kennt, habe ich nach einer Möglichkeit gesucht, meine fachliche Kompetenz zu belegen und meine Qualität zu dokumentieren.

Um die Zertifikate zu erhalten, musste ich nachweisen, dass ich über kaufmännische Kenntnisse und entsprechende Berufserfahrung verfüge. Außerdem ist für die Zertifizierung eine Vermögensschadenhaftpflichtversicherung Pflicht. Meine Fachkenntnisse musste ich auch noch in einer Prüfung beweisen. Das Zertifikat ist begrenzt auf 3 Jahre, danach kann ich mich rezertifizieren lassen. Dafür muss ich nachweisen, dass ich mich regelmäßig auf dem Fachgebiet des Steuerrechts weiterbilde. Dieses Jahr steht bereits die zweite Rezertifizierung an.

Die Zertifizierung ist eigentlich ein „Abfallprodukt“, da ich mich sowieso ständig weiterbilde und Seminare besuche. Die bestandene Prüfung hat mir bestätigt, dass ich ein gutes Fachwissen besitze und die Standards erfülle. Das Zertifikatssiegel ist ein Qualitätsmerkmal, um zu zeigen, dass ich mehr als Buchhaltung anbieten kann.

 

Wie lange bist Du schon ein Desperate Workwife? Was bedeutet das für Dich?

2011 habe ich Xing für mich entdeckt und war anfangs recht aktiv in vielen Gruppen. Dadurch bist Du, Christine, auf mich aufmerksam geworden und hast mich eingeladen. Seit Anfang 2012 bin ich nun ein Desperate Workwife. Ich war sofort begeistert von der Vielzahl der Themen in der Gruppe. Und noch mehr vom Umgangston. Sehr respektvoll und tolerant. Das hat mich schwer beeindruckt.  Doch ein richtiger Fan der Gruppe wurde ich durch die sozialen Aktionen, in denen die Gruppe etwas für andere tut. In Erinnerung geblieben ist die Adventskalender-Aktion, ich glaube das war 2013.

Was bedeutet es für mich eine DWW zu sein? Ich bin es gerne und ich bin stolz darauf. Mit den Jahren habe ich viele neue Freundinnen gewonnen und viele Damen kennenlernen dürfen, vor deren Einstellung oder Lebensweg ich meinen Hut ziehe. Aber auch die Hilfe und Unterstützung, die ich von anderen DWW bekommen oder die ich geben durfte, ist ein wichtiger Teil meines Lebens geworden. Ich hätte nicht gedacht, dass ich jemals ein Teil einer so tollen Truppe werden würde und bin dankbar dafür.

Kurz und gut, ich bin gerne DWW und möchte sie nicht mehr missen. Ich freue mich auf jede Gelegenheit, wo ich einige Damen aus der virtuellen Welt persönlich im realen Leben kennen lernen darf.

 

 

Liebe Petra, einen ganz herzlichen Dank an Dich für dieses tolle Interview und ich ziehe meinen Hut vor Deinem Wissen und dass du es so bereitwillig mit uns teilst 🙂
Liebe Grüße von Christine

11 Kommentare
  1. Erdme Brüning 2 Jahren her

    Petra, vielen Dank für diesen sympathischen Einblick in Dein Leben. Ich bin schwer beeindruckt, wie sehr Dich die Buchhaltung gepackt hat. Schade, dass wir so weit auseinander leben, sonst könnten wir einmal gemeinsam etwas für Gründer*innen anbieten 😉 Ich finde es schön, dass Du bei den DWW dabei bist!

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  2. Gisela Zündel 2 Jahren her

    Hallo Petra, tolles Interview. Vielen Dank.
    Was mich interessieren würde, warum „ARISA“ – steht das für etwas Besonderes, gibt es eine Herleitung oder Geschichte dazu?

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  3. Petra Müller 2 Jahren her

    Danke Erdme, Gemeinsam etwas für Gründer*innen anzubieten ist eine tolle Idee. Das sollten wir im Hinterkopf behalten. Ich habe Verwandtschaft in der Nähe. Vielleicht kann man da was verbinden.
    Das fände ich richtig schön.

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  4. Petra Müller 2 Jahren her

    Hallo Gisela, ich glaube ich muss mir eine Geschichte zur Entstehung von ARISA einfallen lassen 🙂

    Die Realität ist recht langweilig. Als ich mich selbständig gemacht habe, musste ein Firmenname her. Mein Name ist leider kein Erkennungsmerkmal sondern ein Sammelbegriff. Es sollte etwas Besonderes sein, etwas, was in Erinnerung bleibt und etwas, was mich nicht auf die Buchhaltung festnagelt. Denn ich mache sehr viel mehr. Und ich habe mich echt schwer getan. Darum hat mein Mann mir geholfen und kam dann mit ARISA. Das hat mir sehr gut gefallen und dabei ist es dann geblieben.

    Sorry, ich hätte Dir gerne eine tolle Geschichte geboten.

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  5. Angela Steffens 2 Jahren her

    Tolle Antworten, liebe Petra. Auch wenn Buchhaltung in meinen Augen eher trocken daherkommt, begeistert mich doch deine Begeisterung dafür. Und dann wird auf einmal alles bunt und lebendig!
    Die Frage nach dem Ursprung von ARISA hatte ich auch. Klingt weiblich und gar nicht nach Buchhaltung. Stehen die einzelnen Buchstaben für etwas?

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  6. Petra Müller 2 Jahren her

    Nein, Angela, ARISA ist einfach nur ein schöner Name. Tatsächlich ist es ein weiblicher Vorname. Außerdem eine Manga-Reihe in Japan und eine Versicherung aus Luxemburg. Und mein Buchhaltungsbüro!

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  7. Sigrid Reithmeir 2 Jahren her

    Also, das mit Schweden ist ja der Hammer! Da sieht man mal – mit Buchhaltung lernt man die Welt kennen! Und Dich 🙂

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  8. Stephanie Thyen 2 Jahren her

    Hallo Petra,
    ich fand das Interview sehr spannend.
    Ich kann dein Intetesse an der Buchhaltung sehr gut nachvollziehen.
    Ich finde das auch alles sehr spannend, auch das Steuerrecht. Deshalb studiere ich jetzt Wirtschaftsrecht.
    Lg

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  9. Petra Müller 2 Jahren her

    Hut ab, Stephanie. Recht, insbesondere Steuerrecht bedeutet, nie fertig zu sein mit dem Lernen, denn alle Naselang werden Vorschriften und Gesetze geändert. Viel Erfolg beim Studieren!

  10. Margarita Moerth 2 Jahren her

    Ich kann Dich auch gut verstehen, liebe Petra. Als ich seinerzeit als Journalistin von Kultur auf Wirtschaft „umgesattelt“ habe, war man vor allem in meiner Familie erstaunt bis befremdet. Doch ich hatte über das Bilanzenlesen (weil ich ein paar Mal einspringen musste) Blut geleckt und mich immer mehr in die Materie vertieft, bis ich so gut war, dass ich von einer Wirtschaftszeitung abengagiert wurde.

    Ohja, so wie man sagen kann „Alles Leben ist Chemie“ kann man in etwas erweitertem Sinne sagen „Alles Zusammenleben ist Wirtschaft“.

    Ich wünsche Dir, dass Du bald geeignete MItarbeiter gefunden hast, um Deinen beruflichen Leidenschaften noch entspannter frönen zu können!

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  11. Margarita Moerth 2 Jahren her

    ARISA finde ich großartig, einprägsam und sympathisch (und irgendwie kompetent).

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