Beruflich stand sie von Anfang an auf der Erfolgsschiene. Was sie da manchmal vielleicht zuviel an Konsequenz und Einsatz gebracht hat, fehlte in ihrem Privatleben völlig. Seit die überzeugte Großstädterin vor 19 Jahren aus dem Herzen Wiens aufs Land ins Niederbayrische gezogen ist, hat sich das ziemlich verändert. Ob die DWW Margarita mit den Jahren womöglich klüger geworden ist, erfahrt ihr in diesem Interview.


 
 

Margarita Moerth

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Margarita Moerth

 

 
 

Wie verbindest Du Job und Familie?

In dieser Disziplin war ich nie sehr gut. Viele Jahre lang stand für mich die Arbeit als Journalistin im Zentrum, der ich alles andere untergeordnet habe. Dabei sind eine Ehe und etliche „Lebensgemeinschaften“ auf der Strecke – und ich bin kinderlos – geblieben.

Heute tu ich mir da leichter. Die Begleitung von Heilpraktikeranwärtern bei der finalen Prüfungsvorbereitung ist für mich das reine Vergnügen. Ich limitere mich da aber auch sehr und nehme nur noch wenige Schüler an. So zwinge ich mich quasi selbst, endlich zu entspannen. Meine Alterspension, die ich seit Erreichen meines 60. Lebensjahres vor zwei Jahren aus Wien überwiesen bekomme, ist dieser Entspannung natürlich sehr förderlich 😉 – selbstverständlich auch die ländliche Umgebung, in der ich seit der Jahrtausendwende lebe, und die einen unweigerlich entschleunigt.

 

Wenn Du drei Wünsche frei hättest, was würdest du dir für deine Karriere wünschen?

Die Fragestellung nach Karrierewünschen passt nicht mehr ganz zu mir, denn was ich beruflich angestrebt habe, habe ich erreicht. Anders gesagt, mein Karriere-Ehrgeiz hält sich mittlerweile sehr in Grenzen.

Seit dem Jahr 2008 begleite ich angehende Heilpraktiker auf die mündliche Prüfung vor und tue was ich kann dafür, dass es alle im ersten Anlauf schaffen. Dabei geht es nicht darum, den Schülern Wissen zu vermitteln (den Stoff lernen müssen sie selbst),  sondern darum, die Kommunikation in der Prüfungssituation zu trainieren (in Modernsprech würde man mich demnach wohl als Coach bezeichnen). Da mir das große Freude macht, es mich selbst wissensmäßig auf Trab hält und ich bei jeder bestandenen Prüfung das Erfolgserlebnis mit meinen Schützlingen teile, wünsche ich mir, diese Arbeit noch recht lange fortsetzen zu können.

Ein zweiter Wunsch, der im weitesten Sinne unter „beruflich“ firmieren kann: ich bin Gründungsmitglied und Presserefentin eines im Vorjahr geschaffenen Kunstvereins („Freunde des Werks von Margret Hofheinz-Döring“ – die Mutter von Brigitte Mauch, wie viele DWWs wohl wissen) und arbeite dafür, dass wir recht viele Ausstellungen organisieren und gut vermarkten, viele Bilder in öffentlichen Sammlungen unterbringen und an größeren Ausstellungsprojekten teilnehmen können, kurzum, das Werk dieser großen Malerin richtig bekannt zu machen. Dafür wünsche ich meinen Mitstreiterinnen und mir weiterhin Erfolg.

Als dritten, nicht so dringlichen Wunsch würde ich um einen seriösen Literaturagenten bitten, der mich samt meinem Romanprojekt unter seine Fittiche nimmt, an dem ich seit geraumer Zeit still vor mich hinwerkle. Da ich seit meiner Übersiedlung nach Bayern aus allen literarsch-journalistisch relevanten und sonstigen Zirkeln herausgefallen bin, fehlt mir diesbezüglich jegliche Vernetzung. Ob ich mir allerdings eine PR-Ochsentour antun würde, steht in den Sternen (Thema Ehrgeiz siehe oben). Drum, dieser Wunsch hat keine sehr hohe Priorität.

 

Was möchtest du anderen Frauen mit auf den Weg geben?

Vertraut eurem Instinkt, eurem Gefühl, eurem Bauch, wenn es um wichtige Entscheidungen geht. Damit meine ich nicht, dass man blindlings und hirnlos drauflosrennen soll. Der Verstand muss schon auch immer dabei sein.

Doch meine – manchmal bittere – Erfahrung, privat wie beruflich, ist: immer, wenn ich wichtige Schritte gegen meine „innere Stimme“ unternommen habe, bin ich schief gelegen. Ich rede jetzt nicht von dem One-night-stand nach dem ich mich gefragt habe: „Wie konnte ich nur mit diesem Typen?“ Ich rede von Entscheidungen mit Tragweite, für die ich hier kein reales Beispiel aus meinem Leben anführen möchte, weil ich da doch zuviel preisgeben würde. – Doch ich denke ihr fühlt, was ich meine. 😉

 

Wie lange bist du schon Desperate Workwive? Was bedeutet das für dich?

Laut XING bin ich erst seit Februar 2014 dabei. Mir erscheint’s viel länger, im besten Sinn.

Da sind einige richtige Freundschaften entstanden und viele liebe und teilweise hilfreiche Kontakte.

Und öfters konnte ich im Schoß der Gruppe Dampf ablassen, mir Trost holen, oder, umgekehrt, Anteil nehmen und – wie auch immer – andere DWWs  ein bisschen unterstützen. Eine recht verschworene Gemeinschaft sind diese DWWs für mich, kein Geheimbund, Gott behüte, doch durchaus ein Ort, an dem ich manches aussprechen kann, was ich in meiner näheren Umgebung klugerweise für mich behalte.

Für mich sind die DWWs unmittelbar mit Christine verbunden, weshalb ich auch einen ziemlichen Knacks hatte, als die DWWs bei XING plötzlich nicht mehr vorhanden waren (ich bin halt auch noch immer begeisterte XINGlerin). Einerseits wollte ich nicht auf  die DWWs und ihre Mitgliederinnen verzichten, andererseits gehörte diese Frauengruppe für mich zu XING, wo ich in vielen Gruppen sehr aktiv bin.

Doch da ich, nach kurzer Schockstarre, mit veränderten Bedingungen recht gut umgehen kann (eine meiner wichtigsten Überlebensstrategien, wenn ich so auf die letzten 60 Jahre zurückblicke ;-)), habe ich mich der neuen Situation angepasst, bin weiterhin DWW, und Michelle und ich sind jetzt dabei, der bei XING verbliebenen Frauengruppe allmählich ein eigenes Gesicht zu geben.

Also, nur keine falschen Hoffnungen, liebe DWWs, mich werdet ihr nicht so bald los!

 

Du arbeitest bei der Prüfungsvorbereitung mit Menschen zusammen, die eine Ausbildung zur Heilpraktikerin / zum Heilpraktiker machen. Was hältst du von unserem Nachwuchs?

Wer sich den Mühen einer solchen Ausbildung unterzieht, die im übrigen auch mit einigen Kosten verbunden ist, tut dies nicht aus Jux und Tollerei. Viele dieser Helpraktikeranwärter arbeiten bereits im Gesundheitswesen, als Kranken- oder Altenpfleger, Osteopathen, Krankenschwester oder Medizinische Fachangestellte. Das sind mir die liebsten Schüler, weil sie, so wie auch ich, die Schulmedizin anerkennen und naturheilkundliche Ansätze als das sehen, was sie sind und sein müssen: komplementäre Methoden mit manchmal unglaublichen Möglichkeiten (nicht zufällig haben immer mehr Schulmediziner auch komplementäre Behandlungsmethoden in ihrem Therapie-Repertoire).

Zur Zeit wird laut über verschärfte Zugangsbedingungen zum Heilpraktikerberuf nachgedacht. Das halte ich nicht zwingend für nötig, denn jene, die sich nach der Prüfung nicht spezialisieren und ihr Wissen vertiefen und erweitern, haben ohnehin keine Chance, angesichts des vielfältigen und großen Angebots an Heilrpaktiker-Praxen zu reüssieren.

Ich mache mir daher keine Sorgen, dass es irgendwann zuwenig gute HPs geben könnte.

Sorgen bereiten mir allerdings jene HPs, die sich als Alternative zur Schulmedizin aufschwingen und mit verabscheuungswürdigen Heilungsversprechen  ihre meist sehr verzweifelten, weil sehr kranken Opfer bewährten Behandlungsmethoden abspenstig machen. Verabscheuungswürdig sage ich ganz bewusst, weil schwerkranke Menschen und meist auch deren Angehörige nach jedem vermeintlich rettenden Strohhalm greifen und leichte Opfer sind.

Zum Glück gibt es nur wenige solcher Scharlatane, dennoch ist jeder einzelne einer zuviel.

Sorry, diesen Sidestep konnte ich mir nicht verkneifen. 😉

 

Lange Zeit hast du als Journalistin in Wien gearbeitet, wie haben sich die Zeiten bei der Presse geändert? Wie waren deine Erfahrungen?

So wie das Fernsehen das Radio nicht verdrängt hat, wird auch das Internet die Printmedien nicht verdrängen. Doch sie sind unter Druck geraten und mussten und müssen sich einem qualitativen Wandel unterziehen – oder untergehen.

Heute bieten alle ernstzunehmenden Tages-, Wochen- und Monatszeitungen bereits Onlineausgaben an, mit denen sie um die aktuelle Berichterstattung rittern. Ein fürwahr atemloses Geschäft, denn wenn in dieser Sekunde der berühmte Sack Reis in China umfällt, weiß es binnen fünf Minuten die ganze vernetzte Welt.

Auch seinerzeit gab es bereits diese weltweite Vernetzung Dank der internationalen Nachrichtenagenturen wie reuters, dpa, afp, UPI oder z.B. die  APA (Austria Presse Agentur), bei der ich mehr als drei Jahre als Wirtschaftsredakteurin gearbeitet habe. Doch verschickten wir damals unsere Meldungen zum Teil noch mittels „Ticker“ (Fernschreiber), waren untereinander und mit ausgewählten Medien, die dafür bezahlten, jedoch schon in den 1980er Jahren über Telefonleitungen vernetzt. Da konnte es schon mal vorkommen, dass der Chef vom Dienst im Österreichischen Rundfunk ORF am Sonntag bei uns in der Agentur anrief und nachfragte, ob wir nicht für 15 Uhr irgendeinen Knüller hätten, er habe noch keine Spitzenmeldung für die nächsten Nachrichten. Da stöberte der diensthabende APA-Redakteur dann rasch in den internationalen Agenturberichten, notfalls wurde schnell etwas übersetzt und direkt in den Computer diktiert. Zehn Minuten später konnten wir dann unsere eigene Meldung in den Nachrichten des ORF hören (sicherheitshalber unter Berufung auf die Austria Presse Agentur; man weiß ja nie ;-)).

  • Bemerkenswert und sehr spannend ist die Veränderung bei den Printausgaben der diversen Zeitungen, die mit in die Tiefe gehenden Reportagen sowie Glossen und Kommentaren nicht nur viel fundierte Information, sondern auch diskutierenswerte Meinung anbieten. Dass bei manchen Boulevardmedien da oft die Genres verschwimmen und nicht als solche kenntlich gemachte Meinung in die vermeintliche Reportage gepackt wird, ist ein Übel, das billigen Sensationsjournalismus kennzeichnet. Eine sehr großformatige deutsche Tageszeitung lebt z.B. vor allem davon.
  • Als ich im Tagesgeschäft noch journalistischen Nachwuchs ausgebildet habe, war das einer der ersten und häufigsten Fehler der Youngster, die im schreiberischen Überschwang Information und Meinung durcheinander gebracht haben. Das habe ich ihnen aber schnell abgewöhnt; – oder sie mussten sich bald auf ein anderes Berufsziel einstellen.

Die gewissenhafte und gründliche Recherche, die sich auf zahlreiche Informationsquellen stützt, wird immer zum Handwerkszeug des Qualitätsjournalisten gehören, egal, für welches Medium er arbeitet. Damit wird sich Professionalität auch immer positiv von jenen abheben, die meinen, wenn sie etwas im Internet gegoogelt haben, sei das schon eine Recherche.

Als meine Zeitung seinerzeit vom Blei- auf den Fotosatz umgestellt wurde, war das eine einzige Folge von Pannen. Das hat uns (sprich, den KURIER) damals viel verkaufte Auflage gekostet, da wir eine Zeitlang nahezu überallhin zu spät kamen und bereits Konkurrenzblätter gekauft worden waren.

Ihr merkt schon, wenn ich da ins Erzählen komme, finde ich kein Ende mehr.

Ich mache jetzt trotzdem hier Schluss. Falls es Fragen zur Steinzeit des Journalismus oder zu aktuellen Medienthemen gibt, bitte her damit!

 

Fotografieren ist eines deiner Hobbys. Kannst du überhaupt noch ohne Kamera und  Fotografenblick unterwegs sein?

Ohja, ohne Kamera geht schon, aber das Fotografenauge habe ich zwangsläufig immer dabei. Seit ich mich vor eineinhalb Jahren endlich zum Kauf eines Smartphones aufgerafft habe, weil mein altmodisches Tasten-Handy endgültig das Zeitliche gesegnet hat, kann ich mir zur Not jetzt ja sogar damit behelfen und einen Schnappschuss machen, wenn ein Motiv das lohnt.

Mittlerweile bin ich kameratechnisch von Canon auf Panasonic umgestiegen, und wenn ich mich weiter als ein paar Kilometer von zu Hause wegbewege, ist diese Kamera stets dabei.

Bei der Fotografiererei ist es  dasselbe wie mit dem Schreiben. Die moderne Technik erweitert die Möglichkeiten ungeahnt, und jeder kann mit geringen Kenntnissen und Mitteln halbwegs mitmachen. Doch Qualität erfordert Wissen, Übung, Sorgfalt, dann wird irgendwann einmal Professionalität daraus. Von dieser bin ich beim Fotografieren meilenweit entfernt. But nobody is perfect.

 

Hättest du eine Frage, die dich reizen würde, sie zu beantworten? Was du schon immer erzählen wolltest? Oder ein geheimes Laster, was jetzt endlich an die Öffentlichkeit soll?

Wie ich schon sagte, nobody is perfect. Meine geheimen Laster outen? Na, dann wären sie ja nicht mehr geheim. 😉

Worüber ich immer schon einmal reden wollte, sind meine Großeltern, und was sie für mich, die uneheliche Tochter ihres Sohnes, getan haben, und ohne die mein Leben völlig anders verlaufen wäre. Ich war nämlich bereits auf dem Weg ins Kinderheim der Gemeinde Wien, als meine Großmutter nach einem Lokalaugenschein befand: „Die Kleine  schaut genauso aus wie unser Willi mit zweieinhalb Jahren. Das ist ohne Frage seine Tochter. Die nehmen wir zu uns.“ Basta. Meine Großmutter hatte gesprochen, und mein Großvater zog – wie immer – mit. Wenige Jahre später hatten sie mich adoptiert.

Dazu muss man wissen, dass meine Großeltern damals gerade erst vom Land nach Wien übersiedelt waren, mein Großvater zwar schon eine Anstellung als Heizungsmonteur hatte, doch dass es finanziell an allen Ecken und Enden fehlte.

Dennoch haben die beiden mir, als ich mich im interfamiliären Bereich als Intelligenzbestie erwies, zuerst den Besuch des Gymnasiums und parallel dazu der Musikakademie und später das Studium ermöglicht (da verdiente ich dann aber schon als Volontärin – so nannte man damals die Praktikanten – bei verschiedenen Zeitungen mein Zeilenhonorar dazu). So kam es, dass ich als erste unseres Clans nicht nur Matura (= Abitur), sondern auch einen akademischen Grad (Magistra) geschafft habe. Übrigens hat mein Großvater meinen Studienabschluss gerade noch miterlebt, ehe er verstarb. Er war so verdammt stolz auf mich.

Dieses kleine Denkmal setze ich meinen Großeltern jetzt im Internet, das sie nicht mehr kennengelernt haben. Ich bin sicher, meine tatkräftige Großmutter hätte nach kurzer Zeit im www nach Kochrezepten und Schnittmustern gestöbert.

Wer bis jetzt durchgehalten hat: Danke für eure Geduld!
 
 
Liebe Margarita, da braucht man keine Geduld, dein Interview liest sich sehr spannend. Habe herzlichen Dank für deine offenen Worte!

8 Kommentare
  1. Rosana Woiczechowski 11 Monaten her

    Liebe Margarita, ich habe alles gerne gelesen. Es war eine Freude! Besonders die Gedanken an Deine Großeltern haben mich sehr berührt.
    Einfach nur schön. DANKE!

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  2. Petra Müller 11 Monaten her

    Sehr schön zu lesen. Vielen Dank dafür. Ich freue mich darauf, Dich bald mal wieder zu sehen.

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    • Margarita Moerth 11 Monaten her

      Ich freue mich auch, liebe Petra.

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  3. Brigitte Käding 11 Monaten her

    Da kenne ich dich über die DWWs schon so lange, liebe Margarita, zumindest virtuell, und nun hast du mich mit deinen Worten so berührt, dass ich mir die Tränchen aus den Augenwinkeln wische.

    Vielen Dank und ich hoffe auf ein persönliches Kennenlernen🌞

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    • Margarita Moerth 11 Monaten her

      @Brigitte, das wird allerdings wirklich höchste Zeit. Irgendwie habe ich das Gefühl, als würde ich Dich schon „richtig“ kennen.

  4. Kerstin Wessel 11 Monaten her

    Die Margarita, wie ich sie kennen und schätzen gelernt habe! Voller Energie und Engagement und immer auch mit einem Augenzwinkern! Herrlich zu lesen!

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  5. Sigi 11 Monaten her

    Liebe Margarita, über diese Themen haben wir ja schon während unserer gemeinsamen Fahrt nach Malberg gesprochen, von daher ist mir das meiste nicht neu. Interessant ist es allemal.
    Das Foto finde ich ausgesprochen schön, Margarita in Farbe! Meistens sehe ich Dich in gedeckten Farben, dabei steht Dir das Violett sehr gut. Du siehst gut aus!

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  6. Tanja 11 Monaten her

    Sehr kurzweilig zu lesen, amüsant und ein toller Einblick hinter die „Kulissen“

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