Tief verwurzelt im Taunus ist sie auf beruflichen Wegen bei den Desperate Workwives gelandet. Geblieben ist sie dann eher aus privaten – wenn sie jemanden mag, bekommt man sie nur schwer wieder los. Sie nennt es „treu“, ihr Mann eher „stur“. Berufliches rückt aktuell in den Hintergrund; erst einmal wird die Familie vergrößert und umgetopft. Und dann? Das weiß sie auch nicht so genau…

 

 

Evelyn Fajfar

 

Fremdsprachensekretärin

Haus- und Grundstücksverwalterin (SGD)

 

 

 

Wie verbindest du Job und Familie?

Ganz ehrlich gesagt: Bei uns klappt das nur mit enormer Unterstützung meiner Eltern und auf Kosten des Haushaltes. Dazu habe ich einen geduldigen Ehemann und besitze die zweifelhafte Fähigkeit, jegliche innere Ordnungsliebe komplett ignorieren zu können.

Hätte ich mich nicht im Verlauf der Jahre von meinem Perfektionismus vollständig verabschiedet, wäre ich wahrscheinlich ein sehr unglücklicher Mensch oder Insasse einer Anstalt.

Aktuell arbeite ich 32 Stunden wöchentlich, im vergangenen Jahr kam es mehrfach zu zusätzlichen Abendterminen aufgrund von Eigentümerversammlungen.

Ich empfand meinen Beruf immer als spannend, abwechslungsreich und erfüllend.

Durch die technische Entwicklung, die teilweise praktisch kaum noch umsetzbare Rechtsprechung zu einigen Themen und die hohen, oft leider auch unrealistischen Ansprüche einzelner Kunden frage ich mich jedoch manchmal auch, ob ich in dieser Branche noch weitere 25 Jahre tätig sein kann/möchte. Im Grunde kommt die Auszeit durch das geplante Jahr Elternzeit aktuell recht passend. Vielleicht vermisse ich den Trubel?

 

Wenn du drei Wünsche frei hättest, was würdest du dir für deine Karriere wünschen?

  1. Ein Umdenken in den Führungsebenen, insbesondere was die Vereinbarkeit von Familie und Beruf angeht als auch die Gleichstellung von Männern und Frauen.
  2. Mehr Mut, um neue Wege zu suchen, zu erkennen und zu beschreiten.
  3. Ein Talent, für das ich privat und beruflich brenne und das sich ausbauen lassen würde.

 

Du erwartest bald dein zweites Kind und zeitgleich plant ihr euren Hausumbau. Wie gehst du mit dieser großen Belastung um?

Ich versuche, mit Zuversicht, Humor und tiefem Urvertrauen in das Jahr 2019 zu starten.

Es ist einiges an Unterlagen zusammenzustellen, die Finanzierung ist abschließend zu klären, ich werde den ein oder anderen Sonnentanz tanzen müssen, da wir das komplette Dach zu erneuern haben und auf mildes Wetter angewiesen sind. Tapeten oder Putz, Laminat oder Fliesen, Vintage oder Modern, passen die Möbel zur Decke, zum Boden oder überhaupt noch zum Leben…??? Fragen über Fragen. Wir sind beide recht entscheidungsfreudig, aber leider nicht immer einer Meinung.

Hier im Rhein-Main-Gebiet sind die Handwerksbetriebe stark ausgelastet; das erschwert die Lage natürlich. Zeitlich greift vieles ineinander über; es wird spannend. Aber mein Mann ist mein Fels in der Brandung, wir haben einige Renovierungs- und Umzugshelfer und versuchen, diese Herausforderung mit Gelassenheit anzugehen.

Ich bin mit 21 ausgezogen. Zurück in mein Elternhaus zu ziehen, war eigentlich nicht geplant. Aber es passt gerade sowohl zu unserem Leben als auch zum Leben meiner Eltern Ich bin meinem Vater sehr ähnlich und es wird sicherlich auch das ein oder andere Mal krachen in diesem neu entstehenden Mehrgenerationenhaus. Aber die Basis stimmt und wir vertragen uns auch gerne.

Es hilft nicht, sich im Vorfeld zu viele Gedanken zu machen; so lange wir alle gesund bleiben, wird sich alles regeln lassen. Hoffe ich. Ansonsten werde ich viel seelische Unterstützung des weltbesten Frauennetzwerkes erbitten müssen.

 

Du bist ein richtiges Taunus-Mädel und lebst schon seit vielen Jahren im gleichen Ort. Hat es dich nie in die Welt gezogen?

Generell würde ich gerne mehr reisen und etwas von der Welt sehen – das geben die Finanzen leider nicht in dem Ausmaß her, wie es uns gefallen würde. Aber umziehen? Da müsste sehr viel passieren.

Mein Mann und ich haben uns erst vergleichsweise spät gefunden; es ging dann recht schnell an die Familienplanung. Freunde und Familie sind ebenfalls fast alle in der Nähe geblieben; irgendwie scheint die Gegend also ganz schön zu sein. In einer Großstadt zu wohnen wäre nichts für mich; wobei ich die Nähe zu Wiesbaden und Frankfurt durchaus zu schätzen weiß.

 

Wie lange bist du schon ein Desperate Workwife? Was bedeutet das für dich?

Über die Desperate Workwives bin ich „gestolpert“, als ich beruflich an einem Scheideweg stand. Das müsste 2013 gewesen sein. Ich hatte mir die Rückkehr in den Job nach der Elternzeit immer wesentlich einfacher vorgestellt. Nach über 17 Jahren in einem wachsenden und gut laufenden Unternehmen fühlte ich mich sicher; musste dann jedoch feststellen, dass niemand unersetzlich ist und mündliche Versprechungen selbst nach langer und vertrauensvoller Zusammenarbeit keinen Wert besitzen.

Zunächst war ich in der Xing-Gruppe eher eine stille Mitleserin. Über die Jahre lernte ich einzelne Schicksale kennen, freute mich und litt mit, drückte Daumen und genoss diese besondere Gruppe, in der Frauen sich offen miteinander austauschen, unterhalten, sich gegenseitig inspirieren und einander unterstützen. 2017 fuhr ich zu meinem ersten Event und fragte mich noch im Auto, was ich da eigentlich mache: Mit wildfremden Frauen den Tag verbringen, auf einem Schiff, ohne Fluchtmöglichkeit… Aber umsonst gezweifelt – es war vom ersten Moment an sehr vertraut und herzlich. Seither bin ich aktiver geworden und ich bin sehr glücklich, Teil dieses besonderen Netzwerkes zu sein.

 

Im November warst du das erste Mal bei einem der großen DWW Treffen dabei, dem Adventswochenende in der Eifel. Was ist dir am meisten in Erinnerung geblieben?

Es ist verwunderlich, dass es sich immer ein wenig nach „Heimkommen“ anfühlt. Persönlich kannte ich erst drei Teilnehmerinnen, allerdings hatte man sich ja schriftlich bereits ausgetauscht. Es herrscht ein buntes, lautes Miteinander trotz aller Unterschiede. Man muss sich nicht verstellen. Immer wieder überrascht es mich, mit welcher Wärme und Respekt miteinander umgegangen wird. Es herrscht keinerlei Zickigkeit. Das Treffen wurde voller Detailliebe und Herzlichkeit geplant; es wird mir sehr lange in Erinnerung bleiben und ich freue mich schon auf viele weitere.

 

Was möchtest du anderen Frauen mit auf den Weg geben?

Das käme zu sehr auf die Frau und deren Geschichte an. Auch glaube ich nicht, in einer Position zu sein, in der ich anderen Ratschläge erteilen könnte. Zumindest im Berufsleben habe ich selbst viele Fehler gemacht und war in den vergangenen Jahren oft enttäuscht, frustriert und viel zu ängstlich.

Meinen Ausgleich habe ich immer im Privatleben gesucht über Hobbies, die mich erfüllen und/oder herausfordern, über Freundschaften, die mich teilweise bereits seit Jahrzehnten begleiten und in der Familie.

Ich bin in den letzten Jahren ruhiger geworden, habe jeglichen Perfektionismus weitgehend über Bord geworfen, gestehe mir viel Zeit für mich selbst zu, faulenze gerne, genieße auch Kleinigkeiten und gehe sehr dankbar und möglichst ehrlich durchs Leben. Ich habe erkannt, dass manchmal eine Meinung auch nur eine Perspektive ist.

Ich versuche, mich und mein Leben nicht mit anderen zu vergleichen und meine Wünsche und Bedürfnisse sehr klar zu kommunizieren, um die Erwartungshaltung anderen gegenüber auch rechtfertigen zu können, Themen/Situationen von mehreren Seiten zu betrachten und andere Menschen so zu behandeln, wie ich selbst behandelt werden möchte.

Insbesondere seit der Geburt unseres Sohnes, wurde mir wieder bewusst, dass man selbst eine Vorbildfunktion hat – sei es den eigenen Kindern gegenüber oder auch den Menschen, denen man im Alltag begegnet. Respektvoller Umgang, Toleranz und die Einsicht, dass ein Lächeln nichts kostet und viel bewirken kann, gehören hierzu.

Ein bißchen „Leben und leben lassen…“ kann oftmals nicht schaden. Und seit geraumer Zeit versuche ich, immer erst einmal zu prüfen, ob ich über eine Situation nicht lieber lache, bevor ich mich darüber aufrege. Klappt – außer beim Autofahren – öfters als gedacht…

 

Deine Pläne für das noch frische Jahr 2019?

Gelassen bleiben.

Elternzeit mit beiden Kindern genießen.

Den Handwerkern immer Kaffee und Kuchen bereit stellen.

Den Umzug zum Ausmisten nutzen (die Sammlerin in mir weint bei diesen Worten).

Meinen Mann bei der Planung der Inneneinrichtung nicht überrennen.

Vorm Zubettgehen lieber lesen als fernsehen.

Den Wehen freudig entgegenzuatmen, ohne meinen Mann zu beschimpfen

Yoga oder Qigong ausprobieren.

Ab und an Postkarten schreiben statt WhatsApp-Nachrichten.

Spieleabende, Ausflüge und sonstige schönen Dinge mit Familie und Freunden planen.

Viel Fotografieren.

Zu vielen DWW-Treffen fahren.

Geplant einkaufen. Organisiert kochen. Und auch ansonsten das Chaos in den Griff bekommen.

Einatmen. Ausatmen. Niemanden töten.

Lernen, mich kurz zu halten (heute eher nicht…)

 

 

Vielen Dank für dieses tolle Interview, liebe Taunus-Eve. Und ein großes Tschakaaa für deine Pläne 2019!

10 Kommentare
  1. Sonja
    Sonja 2 Monaten her

    Sehr schönes, erfrischendes Interview, liebe Eve. Und immerhin kann niemand sagen, du hättest nichts vor, uffz. Ein wenig beneide ich dich um das Mehrgenerationen-Haus, nur mit meinen Eltern wollte ich sowas nicht haben (und mit meinen Schwiegereltern genauso wenig, wird also nix).
    Dann wünsche ich dir mal entspanntes Ein- und Aus- und Veratmen in der nächsten Zeit!

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  2. Brigitte Käding
    Brigitte Käding 2 Monaten her

    Da könnte ich dich direkt mal knuddeln, liebe Eve, so gut gefällt mir dein Interview!

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  3. Christine Reguigne Author
    Christine Reguigne 2 Monaten her

    Einatmen. Ausatmen. Niemanden töten.

    Das wird MEIN Motto 2019! Genial! Schlicht, man kann es sich merken, und extrem effektiv 🙂

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  4. Sigrid Reithmeir
    Sigrid Reithmeir 2 Monaten her

    Du hast vergessen: Strahlen! 🙂

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    • Tanja
      Tanja 2 Monaten her

      Das dachte ich auch Sigi! Und hatte da gleich das Bild von Eve im Kopf bei unserem super Mini-Workshop in Malberg.

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  5. Evelyn Jeske
    Evelyn Jeske 2 Monaten her

    Super sympathisch und lebensfroh, so wie ich dich auch bereits persönlich kennenlernen durfte!

    Viel Glück bei all‘ deinen Vorhaben und schön, dass du so aktiv bei uns bist!

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  6. Petra Müller
    Petra Müller 2 Monaten her

    Ein tolles Interview. Ich bin froh, Dich persönlich zu kennen. Du hast mir mit vielem aus dem Herzen gesprochen. Danke!

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  7. Angela
    Angela 2 Monaten her

    Eve, am meisten bewundere ich deine Fähigkeit, dem Perfektionismus abzuschwören! Wie machst du das? 🙂
    Jedenfalls mag ich dich und deine Echtheit sehr und wünsche dir von Herzen die Erfüllung deiner Planliste für 2019!

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  8. Margarita Moerth
    Margarita Moerth 2 Monaten her

    Baby, Umbau, Übersiedlung, – ein starkes Jahr, in das Du da erstaunlich gefasst eingetreten bist, liebe Eve.
    Ich drück die Daumen und Dich, dass alles so klappt, wie Du Dir das vorstellst, und Dich Dein Fels in der Brandung recht oft zum Strahlen bringt.

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  9. Kerstin Wessel
    Kerstin Wessel 2 Monaten her

    „Hätte ich mich nicht im Verlauf der Jahre von meinem Perfektionismus vollständig verabschiedet, wäre ich wahrscheinlich ein sehr unglücklicher Mensch oder Insasse einer Anstalt.“
    Dieser Satz hätte von mir stammen können! Ich habe Dich in jedem Wort Deines Interviews wiedererkannt! Herzlich, Klar, direkt und humorvoll! Klasse!

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