Denise – Rheinländerin von Geburt und im Herzen – tummelte sich bis zum Abi in Siegburg, um dann ganze 15 km weit weg in Bonn Erziehungswissenschaft zu studieren. Zunächst eigentlich mit dem Ziel in der Erwachsenenbildung heimisch zu werden. Aber erstens kommt es anders und zweitens…ihr wisst schon 🙂
 
Sie ist bekennende Frischluftfanatikerin, die Sommer wie Winter bei weit offenem Fenster schläft und sich auch sonst gerne draußen tummelt.
 
Der typisch rheinische Humor und ihre direkte Art lassen sich nicht verleugnen. „Kölsch Mädsche“ trifft es wohl am besten.
 

 

Denise Vetten
 
Kinderheim Pauline von Mallinckrodt
 
Diplom Pädagogin, Erziehungsleitung Jugendhilfe
 
www.kinderheim-pauline.de
 
 
Wie verbindest du Job und Familie?
 
Ja, wie mache ich das? Als meine Zwillinge klein waren und ich schon alleinerziehend, habe ich wie die Meisten diverse Betreuungsformen durchprobiert. Ein Teil Oma, Vater, Kita und tatsächlich auch schon mal zum Nachtdienst mitgenommen. Alles im Grunde immer mit der heißen Nadel gestrickt, wo nichts dazwischen kommen durfte.
 
Im Gegensatz dazu ist es heute easy. Mit 14 Jahren sind die Kinder – Gott sei Dank! – schon so weit, dass sie einen nicht mehr in jeder Minute brauchen. Heutzutage geht alles mit Absprachen untereinander, das erleichtert vieles.
 
Und wie ich es sonst verbinde? Relativ entspannt. Man lernt ja dazu. Wo ich früher Frau Sauberfrau war, bin ich heute recht entspannt… hey… wen stört schon der Staub in meiner Wohnung? 🙂
 
 
Wenn du drei Wünsche frei hättest, was würdest du dir für deine Karriere wünschen?
 
Ich fürchte, drei Wünsche überfordern mich schon. Meine Karriere, die mich in das Leitungsteam eines Kinderheims geführt hat, ist schon völlig ok so wie sie ist. Weiter nach oben wird es dort nicht gehen und auch das ist für mich in diesem doch so emotional anspruchsvollen Job auch gut und richtig so.
 
Wenn ich ohne Rücksicht auf Kohle heute nochmal anfangen würde, dann könnte ich mir durchaus vorstellen, einen Job in der Natur zu haben. Oder mal in einem ganz anderen Bereich eine ruhigere Kugel zu schieben.
 
Aber vermutlich würde mir das nach kurzer Zeit ohnehin zu langweilig…seufz…
 
 
Was möchtest du anderen Frauen mit auf den Weg geben?
 
Lasst euch nicht beirren, Mädels! Macht was euch gut tut und lasst auch schon mal die Sau raus 🙂
 
 
Du arbeitest im Führungsteam des Siegburger Kinderheims Pauline von Mallinckrodt. Wie kann man sich den Alltag in einem modernen Kinderheim vorstellen?
 
Die Kinder haben fast alle gemütliche Einzelzimmer in großen freundlichen Wohngruppen. Dabei haben wir so ziemlich jedes Wohnkonzept für insgesamt 129 Kinder, ab August kommen noch ein paar dazu da wir uns vergrößern. Von Außenwohngruppen im großen Einfamilienhäusern über Gruppen mit dem Schwerpunkt Trauma, Diagnostikgruppe, jugendliche Jungs und Mädchen in der Verselbständigung, Regelgruppen, Tagesgruppe, eine Gruppe für minderjährige Flüchtlinge, ein Mutter- Kind- Haus, ein betreutes Wohnen für junge Erwachsene und noch mehr.
 
Ich selber bin zuständig für die Bereiche Tagesgruppe, Flüchtlinge, eine Außenwohngruppe und für die jugendlichen Jungs. Für diese habe ich die Dienst- und Fachaufsicht, achte auf die fachliche Ausgestaltung des Hilfeprozesses, Einstellung und Weiterbildung der Mitarbeiter. Enge Zusammenarbeit mit den verschiedensten Institutionen, vor allem auch den Jugendämtern gehört ebenso dazu wie ein stets offenes Ohr für die kleine Wehwehchen des Alltags… nicht nur bei den Kindern. Da ich für 22 Mitarbeiter selber verantwortlich bin kommt da auch so einiges zusammen.
 
Ein Heim ist natürlich absolut kein Familienersatz. Dennoch gestaltet sich der Alltag im Heim zu einem ganzen Teil wie in Familien. Früh aufstehen, Schule oder Kita, Mittagessen, Hausaufgaben, das ist wie überall. Wir haben ein sehr großes Gelände zum Spielen, eine Turnhalle, einen Partyraum etc.
 
Zusätzlich haben viele unserer Kinder natürlich auch so ihre Probleme, Sorgen und Entwicklungsrückstände aufzuholen. Wir arbeiten mit vielen Therapeuten eng zusammen, bieten viele erlebnispädagogische Einheiten an und nehmen auch an vielen Events der Umgebung teil.
Eigentlich kann man sagen wir sind ziemlich feierbekloppt. Aber positiv 🙂
 
Wenn ich mich nicht bremse schreibe ich hier morgen noch. Deswegen lade ich euch einfach ein auf unserer Homepage www.kinderheim-pauline.de vorbeizuschauen. Da könnt ihr alles Wichtige sehen und es wird bestimmt manches klarer. Wichtig ist noch zu wissen, dass das oberste Ziel immer die Rückführung in die Herkunftsfamilie sein sollte. Dazu haben wir uns auch stark der Eltern- und Familienarbeit verschrieben. Das klappt natürlich nicht immer. Dennoch ist es immer sehr wichtig, die Eltern mit im Boot zu haben. Dann gelingt die Arbeit mit den Kindern immer am besten.
 
 
Du hast seit Jahren kein Auto mehr und bist viel mit dem Rad unterwegs. Ist der Alltag als berufstätige Mutter ohne Auto nicht schwierig?
 
Ich sag mal so…eigentlich nicht! Da meine Arbeitsstelle nur 2 km von meinem Zuhause entfernt ist und ich mitten in der Innenstadt wohne lässt sich alles gut managen.
 
Ich habe ein Lastenrad mit Satteltaschen und vorne großer Kiste drauf. Damit mache ich meine Großeinkäufe. Mindestens ein Mal im Moment fluche ich vor mich hin und nehme mir vor, endlich ein Auto zu kaufen. Aber ich tu es doch nie. Das wäre für mich alleine aus umwelttechnischen Gründen nicht zu vertreten. Ich bin auch froh, dass meine Kinder von klein auf mit mir gelaufen sind. Sie sind sportlich, zäh und regen sich nicht schon über das kleinste Wetterchen auf. Wieso sollte man bei Regen nicht zu Fuß gehen oder Rad fahren? Gibt doch ordentliche Kleidung.
 
Aber ich will auch ehrlich sein. Ich schütze mich auch vor mir selber. Wenn ich ein Auto hätte würde ich wahrscheinlich mit diesem sogar zum Klo fahren, ich kenne mich.
 
Siegburg ist auch wirklich sehr gut gelegen in NRW. Ich kann blitzschnell gute Zugverbindungen raussuchen und komme eigentlich überall hin.
 
Und auf der Arbeit nutze ich ein Dienstfahrzeug.
 
 
Dirndl oder Lederhose? Was reizt dich an Trachten?
 
Im Rheinland trägt man Drindl höchstens an Karneval. Im Alltag würde man sich hier sehr damit sehr komisch vorkommen. Da ich aber sehr gerne in die Berge zum Wandern fahre treffe ich natürlich häufiger auf Menschen in Trachten. Da passt das auch gut hin und ich sage euch, die machen echt fesch. 🙂
 
Wenn ich in z.B. Österreich bin ziehe ich auch gerne schon mal ein Dirndl an.
 
 
Wo verbringst du am liebsten deinen Urlaub?
 
Ich weiß natürlich auch schöne Orte in südlichen Gefilden sehr zu schätzen. Aber im wesentlichen zieht es mich in die Berge zum Wandern. Alleine der Blick auf majestätische Berge zieht mich magisch an und die Luft dort ist durch nichts zu toppen.
 
Wer jetzt meint, ich bin eine Sportskanone, den muss ich enttäuschen. Ich schnaufe meistens langsam gehend vor mich hin, vor allem seit meinem Bandscheibenvorfall. Aber das hält mich nicht davon ab loszumarschieren.
 
Als Kontrastprogramm fahre ich auch sehr gerne an die Nordsee, vor allem an die holländische. Da lasse ich mir auch super gerne den rauhen Wind um die Nase wehen.
 
Mich irgendwo 14 Tage auf eine Liege zu legen ist für mich eine Horrorvorstellung. Ich muss raus in die Natur und mich bewegen, dann erhole ich mich am allerbesten.
 
 
Wie lange bist du schon ein Desperate Workwife? Was bedeutet das für dich?
 
Vorgestellt habe ich mich bei den DWW im November 2010. Ich bin sozusagen ein Urgestein.
Eine DWW zu sein bedeutet mir viel. Ich kam damals aus einem anderen Damen business Club der mich echt nicht mehr glücklich gemacht hat. Auf der Suche nach einer anderen und aktiven Gruppe bin ich auf die DWW gestoßen. Oder Christine auf mich? Ich weiß es gar nicht mehr genau.
 
Die DWW sind ein Netzwerk voller geballter Kompetenz und genauso viel Herz! Das schätze ich sehr. Vor allem, dass man beinahe jede Frage stellen kann und einem fast immer geholfen wird. Das ist Netzwerken erster Güte. Und das soll uns erst mal eine(r) nachmachen.
 
 
Herzlichen Dank an Denise für dieses tolle Interview sagt Christine 🙂

8 Kommentare
  1. Marion Remy 3 Jahren her

    Hallo Denise, hört sich nach einem turbulenten Leben an bei Dir zwischen eigenen Kindern, den Schützlingen im Kinderheim und Mitarbeitern. Da kann ich mir gut vorstellen das Du zwischendurch die Ruhe draußen in der Natur brauchst.

    Wir Rheinländerinnen sind ja eh nicht so pingelich sondern absolut wetterfest. Und machen noch Sprüche wenn uns das Wasser bis zum Hals steht, ich meine natürlich das Regenwasser ?.

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  2. Anke Dußmann 3 Jahren her

    Hallo Denise, das liest sich sehr spannend und wenn Wetterfestigkeit und so zum Rheinländer gehört, dann bin ich auch Rheinländerin , gebürtig in Leverkusen.
    Dein Job klingt abwechslungsreich und spannend. In deinen Erzählungen von Urlaub kann ich mich wieder erkennen. Mich ziehen Berge auch magisch an, denn ein Blick von oben lässt vieles klein sein.
    Danke für deine offenen Worte
    ? 2

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  3. Margarita Moerth 3 Jahren her

    Die DWW praktizieren „Netzwerken erster Güte“, das hast Du schön gesagt, Denise!
    Wie Du überhaupt eine Begabung zu haben scheinst, die Dinge auf den Punkt zu bringen.

    Zwillinge alleinerziehend?
    Bei Dir liest sich das, als ginge es so nebenbei.

    Überhaupt hatte ich während der gesamten Lektüre das Gefühl, dass Du nicht viel im Leben schwer nimmst, wohl aber ernst. Vielleicht kommt das aus Deiner ständigen Konfrontation im Beruf mit „wirklichen“, existentiellen Schwierigkeiten und Sorgen?

    Dass Du Deine beruflichen Aufgaben mit Leib und Seele kompetent erfüllst, kann man aus jedem Wort, aus jeder Zeile erkennen.

    Bei der Sache mit dem Auto wird die Pragmatikerin in Dir deutlich: Lieber widerstehst Du der Verlockung, Dir einen Wagen anzuschaffen, als keinen Schritt mehr zu Fuß zu gehen oder mit dem Rad zu fahren. 😉

    Rundrum sympathisch!

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  4. Author
    Christine Reguigne 3 Jahren her

    Ein wirklich schönes Interview, liebe Denise.

    Wir kennen uns ja jetzt schon ewig, du warst eine der ersten bei den DWW und schon direkt beim ersten Treffen dabei 🙂

    Und zu dem Kinderheim Pauline von Mallinckrodt haben wir Workwives ja eine ganz besondere Verbindung. Bestimmt erinnert sich die eine oder andere noch an unseren spektakulären Adventskalender, dessen Erlös wir dem Kinderheim gespendet haben. Das hat damals richtig Spaß gemacht! Auch die tolle Führung durch euer Kinderheim.

    Wer mal schauen mag:
    http://dww-adventskalender.blogspot.de

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  5. Margarita Moerth 3 Jahren her

    Oh ja, ich durfte ja auch ein bisschen was zu diesem Adventskalender beitragen! Das war eine schöne Aktion.

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  6. Denise Vetten 3 Jahren her

    Ihr Lieben,

    Vielen Dank für eure Worte!
    Ich hab immer ein Problem diese Beiträge zu acht Fragen zu sehen Bzw.wieder zu finden. Ob das daran liegt, dass ich meist nur kurz über Handy reinschaue?

    Und ja Margarita, das hast du schön gesagt. Ich nehme nicht vieles schwer, aber ernst. Das merk ich mir ?
    Nebenbei geht bei mir eigentlich nix. Aber um da nochmal einen rheinischen Spruch loszuwerden: et hät noch immer jot Jejange ?

    Lg.

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  7. Gisela 3 Jahren her

    Tolles Interview, danke dafür Denise!

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  8. Barbara Laumans 3 Jahren her

    Super Interview Dennis..:) und Siegburg ist ja auch schön..??

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