Geboren in Mitteldeutschland, hat es sie nach einigen Umzügen in die Tiefen des Taunus verschlagen. Sie ist Mutter von drei erwachsenen Töchtern, ihr ist durch ihren Beruf als Krankenschwester nichts Menschliches fremd. In ihrem Job gilt sie als Frau der klaren Worte, dabei führt sie gern die feine Klinge des Floretts der Ironie.

In der Freizeit liest sie gerne hintergründige Reportagen und lacht über Kleinkunst von Känguru und Echse. Sie hört gern Musik, da darf es bunt zu gehen, von der Klassik, Weltmusik bis zu guten Jazz darf es alles sein.

Mit leichter Hand führt sie Feder und Pinsel, malt und zeichnet viel und ist immer auf der Suche nach neuen Ausdrucksmöglichkeiten.

Ansonsten ist sie eher unauffällig im Hintergrund zu finden, an einer Promenade auf einer Bank sitzen und Leute gucken ist eine beliebte Beschäftigung. Dabei kann es durchaus möglich sein, dass die Charaktere irgendwann in ihren Zeichnungen wieder auftauchen.

In einer bunten Runde wird sie eher die sein, die nach einigem Nachdenken die vielleicht alles entscheidende Frage formuliert oder ein lange Diskussion einfach auf den Punkt bringt.

Acht Fragen an Christiane Winkler. Interview im Frauennetzwerk Desperate Workwives

 

 

Christiane Winkler

 

Beruf: Examinierte Krankenschwester

Website: www.zeichenwerkstatt-cw.de

 

 

Wie verbindest du Job und Familie?

Arbeiten und Familie vereinbaren war lange Jahre ein großes Problem, mit drei Kindern und vielen familiären Verpflichtungen den Alltag irgendwie zu meistern, ging nur begrenzt. Ich habe daher immer Jobs gehabt, die es möglich machten, dass ich in der Familie da war, wenn es nötig war und die mir aber trotzdem eine berufliche Perspektive ermöglichten. So bin ich erst vor mehr als 4 Jahren wieder richtig in die stationäre Pflege eingestiegen.

Seit mehr als drei Jahren sind alle Töchter ausgeflogen. Nun leben wir zu zweit und ich arbeite sehr bewusst Teilzeit in der Pflege- und Demenzabteilung einer Seniorenresidenz. Mit den Schicht-, Wochenend- und Feiertagsdiensten reicht das vollkommen.

Mein Mann und ich freuen uns über gemeinsam verbrachte Zeit, wir beginnen jeden Tag gemeinsam, auch wenn ich zum Frühdienst muss. An den dienstfreien Wochenenden  versuchen wir natürlich zu reisen, treffen uns mit unseren Kindern oder erledigen familiäre Dinge bei meinen Eltern.

 

Wenn du drei Wünsche frei hättest, was würdest du dir für deine Karriere wünschen?

Karriere muss ich nicht mehr machen, ich hatte in meinem Beruf immer schnell irgendwelche Posten, die mich sehr gefordert haben. Es ist mir nur unter Schmerzen gelungen, dann rechtzeitig die Reißleine zu ziehen, wenn es zu viel wurde.

Jetzt will ich, solange ich das leisten kann, einfach nur für die Menschen da sein, die mir anvertraut sind. Aktuell ist das die Demenzpflege und Palliativbetreuung.

Ich wünsche mir daher Arbeitgeber, die das sehen, verstehen und fördern, in dem sie Arbeitsbedingungen schaffen, die es möglich machen, dass wir für die Menschen da sein können, so wie sie es brauchen. Möglichst mit Zeit und  genug Mitarbeitern in den Schichten.

Ich wünsche mir Kollegen, die einfach ihre Arbeit möglichst gut machen und nicht ihre Kräfte auf Intrigen verschwenden oder die Zeit mit Gerüchten totschlagen.

Und drittens wünsche ich mir, dass die Arbeit richtig honoriert wird. Wir in der Pflege leisten einen wichtigen Dienst an der Gesellschaft! Wenn wir Pflegekräfte alt sind, können wir uns selbst nur das Nötigste leisten. Da funktioniert der Generationenvertrag überhaupt nicht.

 

Was möchtest du anderen Frauen mit auf den Weg geben?

Ich habe meinen drei Töchtern schon vorgelebt: Macht das, wobei euer Herz ist! Lasst euch nicht mit guten Ratschlägen und zweitrangigen Alternativen abspeisen. Glaubt nicht den Zweiflern! Man kann alles erreichen, wenn man sich traut.

Verschwendet eure Kräfte nicht  im „Zickenkrieg“ um die beste Position, den gut aussehenden Kerl, eine tolle Handtasche oder irgendwelchen Lifestyle-Quatsch. Alle Statussymbole sind nicht so wichtig wie das Gefühl: ich kann das, das habe ich selbst geschafft. Und: Gemeinsam können wir was bewegen!

 

Wie lange bist du schon ein Desperate Workwife? Was bedeutet das für dich?

Ich bin wohl seit 2010 oder 2011 dabei, so genau weiß ich das gar nicht. Jedenfalls habe ich bei den DWWs etwas erfahren, was ich so bisher nicht kannte: Solidarität unter Frauen. Viele der DWWs kenne ich persönlich, mit vielen verbindet mich eine Freundschaft. Und man begleitet sich nun schon über Jahre durch gute und weniger gute Zeiten, das schätze ich sehr. Auch wenn ich nicht mehr jeden Tag online bin und auch das Reisen zu den Treffen schwieriger geworden ist, so verfolge ich doch alles sehr interessiert. Und schätze den Austausch sehr.

 

Du arbeitest im Pflegebereich und kennst dich aus mit den Zuständen in Seniorenheimen. Was würde deiner Meinung nach helfen, damit der Pflegeberuf wieder interessanter für qualifizierte Arbeitnehmer wird?

Zuallererst: Ein angemessenes Gehalt. Und Arbeitsbedingungen, die es möglich machen, dass man damit Partnerschaft und Familienleben vereinbaren kann.

Der große Fehler war, dass die Pflege vor einigen Jahren privatisiert wurde und nun immer und unter allen Umständen Gewinn abwerfen muss. Es wird sehr viel Geld auf dem Rücken der Mitarbeiter verdient. Und es interessiert die Investoren in dieser Branche herzlich wenig, ob die alten Menschen gut versorgt sind. Hauptsache, die Rendite stimmt.

Viele junge Menschen, die bei uns beginnen, sehen zwar die Freude, die dieser Beruf mit sich bringt, suchen sich aber trotzdem nach einiger Zeit etwas anderes, weil man als Familie mit den Arbeitszeiten und dem geringen Gehalt nicht zurechtkommt.

Die Zustände sind oft nicht ursächlich. Es kann ein kleines einfaches Heim sein, wenn das Personal und die Hausleitung mit dem Herzen bei der Sache sind, dann ist es ein wunderbarer Ort für alte Menschen. Umgekehrt nützt die allerneueste Ausstattung nichts, wenn man sie nicht richtig einsetzt.

Ob Pflege gelingt, steht und fällt mit dem Engagement der Leute, die dort arbeiten und das Sagen haben. Leider ist die Motivation oft nur mit dem verbunden, was am Ende auf dem Konto ist. Das ist sehr schade für jeden einzelnen und fatal für die Gesellschaft. Pflege ist eine gesellschaftliche Aufgabe, der sich alle stellen müssen!

Warum ich mir das immer noch antue? Eigentlich wollte ich ja mal Hebamme werden, dass es nun das“ andere Ende“ der Pflege geworden ist, sollte dann wohl so sein. Ich wollte immer was mit Menschen machen, keinen Job im Büro. Das habe ich bekommen und viel mehr, als ich damals ahnen konnte.

Weil der Beruf an sich ja einer der Schönsten ist, den ich mir für mich denken konnte. Man kommt den Menschen ganz nahe. Erlebt existenzielles und wird dabei geerdet. Ich erlebe die Freiheit  und das Glück, dass wir mit unserem Pflegekonzept einer inklusiven Pflege sehr genau den Bedürfnissen unserer Bewohner nachkommen können. Das ist speziell auf Demenz und Gerontopsychiatrie zugeschnitten und wird nie langweilig. So gibt es ein spezielles Zeitmanagement, welches dem vielgestaltigen Krankheitsbild Demenz geschuldet ist.

Schön sind passende Bemerkungen der Bewohner, die uns spontan zum Lachen bringen. Das Lächeln derer, die sich nur noch schwer äußern können. Es ist ein Weg, den man mit den Bewohnern und Angehörigen gemeinsam geht, der immer wieder sehr lebensnah und herausfordernd ist. Ich habe dabei jeden Tag die Möglichkeit, mein eigenes Leben zu reflektieren. Und inzwischen profitiere ich natürlich auch von meiner langjährigen Erfahrung.

 

Acht Fragen an Christiane Winkler. Interview im Frauennetzwerk Desperate Workwives

Schon seit vielen Jahren malst du und machst mit deinen Bildern Ausstellungen. Wie bist du zum Malen gekommen und was ist deine Stilrichtung?

Begonnen habe ich bereits als Kind mit dem Malen und Zeichnen. Mein Vater meinte immer, dass eine Papierfabrik gut von mir leben könnte. Gib mir hundert Blatt Papier und ich mache daraus ein Puppentheater mit Kulissen, Fingerpuppen, wechselnden Kostümen, Programmheften und einen Plakat für das erste Stück. So lief das an langen Nachmittagen als Kind. Ich war eher unauffällig und schüchtern und brauchte wenige Menschen um mich rum. Papier, Buntstifte, Schere, Klebstoff; mehr war nicht nötig.

Ich hatte einen guten Kunsterzieher in der Schule, der mir viele Möglichkeiten eröffnet hat. Insgesamt war ich immer sehr neugierig, habe alles Mögliche ausprobiert und kann mich heute noch so richtig in solchen Sachen versenken.

In der Familienphase kam das Zeichnen dann wieder zum Vorschein und ich habe 2005 meine Zeichenwerkstatt gegründet: Unterricht für Kinder und Erwachsene, Porträts und Auftragsillustrationen. Es wurden viele Ausstellungen zu allen möglichen Themen. Ich lernte andere Künstler kennen und habe mit vielen zusammen ausgestellt. Dabei habe ich für mich das Netzwerken entdeckt, manche Verbindung von Kollegen ist über eine Zusammenarbeit mit mir entstanden. Das ist etwas, was mich ein wenig mit Stolz erfüllt.

Dabei geht es bei meiner Kunst nicht um eine spezielle Stilrichtung, ich liebe die Vielfalt und je nach Lust und Laune spachtele ich große Leinwände mit Ölfarben oder entwerfe ganz kleine Aquarelle in A6. Im Moment sind es eher die kleinen Aquarellminiaturen, die ich male und als Karten verkaufe.

Seit ein paar Jahren arbeite ich auch digital, das Illustrieren ist so einfacher, weil man die Bilder direkt in den Text einbetten kann.

Jedes Jahr etwas neues zu lernen, neue Techniken auszuprobieren und für mich zu entdecken, das ist ein wichtiger Antrieb. So habe ich mir vor 10 Jahren einen Traum erfüllt und noch mal fünf Semester an der Städelschule im Abendkurs „Akt und Porträt“ belegt. Das akademische Arbeiten war eine Offenbarung! Dann kamen Kupferstich und Radierung, Buchbinden und Origami- ich habe wirklich schon alles Mögliche gemacht.

 

Einmal quer durch Deutschland bist du schlussendlich im Hochtaunus hängengeblieben. Was gefällt dir an der Gegend?Acht Fragen an Christiane Winkler. Interview im Frauennetzwerk Desperate Workwives

 

Ich bin ja im Raum Halle/ Leipzig, dem ehemaligen Chemiedreieck der DDR, aufgewachsen. Weil ich immer gesundheitliche Probleme hatte, sind meine Eltern sehr oft mit mir in den Wald gefahren, damit ich wieder Luft bekam. Seitdem bedeutet Wald für mich Heilung.

Als ich vor 20 Jahren in den Taunus zog, war das wie dauerhafter Urlaub für mich. Hier gibt es noch richtige Winter mit viel Schnee, das war für mich etwas ganz Neues. Ich bin viel draußen. Genieße in einem sehr überschaubaren Garten den Wechsel der Jahreszeiten. Gehe wandern, joggen, Pilze suchen, habe wundervolle Orte entdeckt und kann mich für Limburg, Weilburg und Wiesbaden begeistern. Es gibt so viel wundervolle Architektur hier in der Nähe, ein Ausflug nach Bad Nauheim und seinen Jugendstil ist für mich wie eine Reise in eine andere Welt.

Als Zeichner liebe ich alte Burgruinen und hessisches Fachwerk, die Dörfchen hier im Hintertaunus und der Hessenpark sind für mich Inspiration und Kraftquelle zugleich. Im Wald kann ich gut nachdenken, beim Joggen mal Dampf ablassen und meinen kreativen Tagträumen nachhängen.

In zwanzig Jahren haben wir hier einen breitgestreuten Freundeskreis gefunden und die Wege zwischen den Künstlern, Ausstellungsorganisatoren und Auftraggebern sind kurz und unkompliziert. Manchmal empfinde ich die unentschlossene Mentalität des hiesigen Menschenschlages etwas anstrengend, aber insgesamt fühlen wir uns hier sehr wohl.

Acht Fragen an Christiane Winkler. Interview im Frauennetzwerk Desperate Workwives

 

Als ganz privates Hobby: Bücher sammeln und lesen, was interessiert dich da besonders?

Wir leben in unruhigen Zeiten und natürlich gehört zu allererst die Tagespresse zum täglichen Programm. Da ich als sehr junge Frau die Wende erlebt habe und weiß, wie wichtig guter Journalismus für eine Demokratie ist, bin ich Zeitungs- und Nachrichten- Junkie. Ich will mehr als große Überschriften, mich interessiert die Geschichte hinter bestimmten Ereignissen. Eine große Tageszeitung und eine Wochenzeitung, dazu Radioreportagen, das ist tägliches Lese- und Ohrenfutter.

Mich interessieren alljährliche Neuerscheinungen zu gesellschaftlichen Themen; ich bin das ganze Jahr auf der Jagd nach Büchern zu ethischen Fragen. Um das Ganze dann zu verarbeiten, muss der Urlaub herhalten, man findet mich mit dicken Bücherstapeln im Strandkorb. Selten landet da mal ein Roman im Bücherstapel, im Arbeitsalltag komme ich nicht oft dazu, überhaupt mal etwas zu lesen.

Und dann bin ich immer auf der Suche nach witzigen hintergründigen Kinderbüchern, möglichst schön illustriert. An einer bibliophilen Ausgabe von Beatrix Potters „Peter Hase“ oder einem gut gemachten Bilderbuch kann ich große Freude haben. Und ich bin mir bewusst, dass ich da nicht nur für mich sammle, sondern schon für eine neue Generation.

 

 

Vielen Dank an Christiane für dieses interessante Interview. Und natürlich auch für die extra gezeichneten Bilder 🙂

 

Bildnachweise
Porträtfoto: privat
(6.) „Winterabend“ (Digitalaquarell), 2018
(7.) „Misthaufen im Hessenpark“  (Aquarell) 2019
(8.) “ Leselust“ (kolorierte digitale Zeichnung) 2019

3 Kommentare
  1. Margarita Moerth 2 Jahren her

    Das ist unsere Christiane wie sie leibt und lebt!
    – Und ein Zipfelchen mehr kann bei Lektüre dieses schönen Interviews auch jemand erfahren, der Dich schon ein Weilchen kennt, liebe Christiane. Dass Du wohlinformiert bist. war mir z.B. duchaus bewusst, aber dass Du ein richtiger Nachrichten-Junkie bist, nicht. 😉

  2. Sigi 2 Jahren her

    Der Misthaufen ist ja „mein“ Bild! Zumindest hängt es bei mir im Esszimmer an der Wand.
    Liebe Christiane, genau so reflektiert erlebe ich Dich in den Diskussionen hier bei den DWW. Und dass ich Fan Deiner Malkunst bin, weiß nun auch jeder 😊

  3. Christiane Winkler 2 Jahren her

    Sigi, es ist dein Bild, alles gut. Das ist nur ein Foto…. weil der Hühnerhaufen so schön hierher paßte

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