Anke Dussmann wurde 1975 in Leverkusen geboren. Neben einigen Sportarten wie Basketball, Volleyball und Schwimmen, war sie ehrenamtlich bei der DLRG am Leverkusener Rhein anzutreffen. Im Mai 2005 zog sie der Liebe wegen in den Taunus, wo dann auch ihre zwei Töchter geboren wurden. Für ihre Kinder geht sie durchs Feuer.

Eine ihrer Leidenschaften hat sie zu ihrem Beruf gemacht, den sie auch heute nach über 20 Jahren noch immer mit Begeisterung ausübt. Sie arbeitet als Kundendiensttechnikerin🔧 im Bereich Heizung und Sanitär. Ebenfalls hat sie vor 4 Jahren das Allgäu und die Berge für sich entdeckt. Ihr grösster Wunsch wäre eine Nacht am Gipfelkreuz. Zu ihren Hobbys zählen auch noch Motorrad fahren, lesen , singen und den Horizont erweitern 😉

Frauennetzwerk Desperate Workwives Interview Anke Dussmann

 

Anke Dussmann
raptorin@gmx.de

Beruf: Anlagentechnikerin Heizung/Sanitär

 

 

Du arbeitest als Handwerkerin in einem eher typischen Männerberuf. Wolltest du schon immer als Anlagenmechanikerin für Heizung und Sanitär arbeiten?

Ich habe sehr früh in unserem elterlichen Betrieb mitgeholfen, so dass ich schon jung meine handwerklichen Fähigkeiten kennenlernen konnte. Als 13-jährige habe ich mir ein Bett und einen Kleiderschrank aus Holz gebaut ( es sah auch so aus)😉 Auch meine Berufsberatungen, wie wir sie in der Schulzeit mehrfach hatten, liefen immer aufs Handwerk bzw. auf körperlich arbeitende Berufe aus. In diversen Ferien habe ich unterschiedliche Berufe kennengelernt. Ich habe z. B. beim Schreiner, in der kunststoffverarbeitende Industrie, Praktika in der Floristik /Gartenbau, Tapezier- und Malerarbeiten (Taschengeldaufbesserung) und natürlich im Heizungs- und Sanitärbereich bei meinem Vater gearbeitet.

Trotz allem habe ich mich früh für meinen Beruf entschieden, weil er sehr umfangreich an verschiedenen Tätigkeiten und Fachwissen ist. Da meine Eltern lieber einen anderen Beruf für mich sahen, machte ich vorher noch das Abitur, damit ich selber entscheiden konnte. Zu meiner Lehrzeit gab es die Gas-Wasser-Installateurin, was ich auch gelernt habe, und den Zentralheizungs-und Lüftungs-Bauer. Den Gesellenbrief absolvierte ich als Jahresbeste nach nur 2,5 Jahren statt den normalen 3,5 Jahren. Heute laufen beide Berufe unter dem Begriff des Anlagenmechaniker Fachrichtung Heizung oder Sanitär.

 

Wie reagieren Kunden auf Dich? Hast du Vorbehalte kennengelernt weil eine weibliche Handwerkerin kam?

Es gab mit Sicherheit den ein oder anderen Kunden, der sehr skeptisch war. Es gab, glaube ich, zwei in den 20 Jahren, die eine Frau abgelehnt haben. Ansonsten ist es eher das Gegenteil, viele freuen sich, dass mal eine Frau kommt. Einige behaupten, wir Frauen seien besser, aber ich glaube, dass es eher an der Andersartigkeit liegt, wie wir Probleme erkennen und damit umgehen bzw. arbeiten.

 

Was würdest du anderen Frauen raten, die sich beruflich in einem Männerumfeld bewegen? Wie bekommen wir mehr Frauen in solche Jobs ?

Da ich nur für mich im Handwerk sprechen kann, gibt es weniger Ratschläge als Fragen, die jede für sich beantworten kann.
Z. B. Kann ich mir vorstellen, in dem Bereich zu arbeiten? Will ich diese Arbeit machen? Wie gehe ich damit um, wenn ich Sprüchen, Vorurteilen ausgesetzt bin? Kann ich mir vorstellen, dreckige und kaputte Finger zu haben? Will ich unter Männern arbeiten, denn es herrscht manchmal ein rauher Umgangston? Kann ich den körperlichen Anforderungen gerecht werden?

Den einzigen Rat, den ich mitgeben kann, ist: Wenn ihr wirklich wollt, dann macht! Geht euren Weg, egal wie steinig er ist, und habt Spass dabei.

Es ist mittlerweile ein sehr sicherer Job im Handwerk, da sich ein Fachkräftemangel breit macht. Da es heutzutage schon sehr schwierig ist, überhaupt Auszubildende für unseren Beruf zu finden, weiß ich nicht, wie man mehr Frauen in diese Berufe bekommt. Es sollte finanziell attraktiver werden, die Arbeitszeiten müssten ggfs. familientauglicher sein. Allerdings gibt es dort mit Sicherheit schon Möglichkeiten.

 

Wie verbindest du Job und Familie?

Meine Familie, also in erster Linie meine Töchter, stehen bei mir an erster Stelle. Meine Arbeitszeiten habe ich in der Zeit als Alleinerziehende so gelegt, dass meine Mädels ohne Fremdbetreuung auskamen. Genutzt wurde jede Papa-Zeit, jede Schulzeit und bei Bedarf jedes Wochenende mit Notdienst. Ermöglicht wird mir dies durch eine sehr familienbewusste Firma, die meine Arbeitszeiten meinen Möglichkeiten angepasst hat. Seit Oktober 2017 arbeite ich wieder in Vollzeit, weil meine Mädels beim Vater leben. Allerdings sind meine Arbeitszeiten immer noch auf meine Umgangstage angepasst. Und bei Bedarf würde ich auch meine Arbeit fallen lassen, wenn meine Mädels mich brauchen.

Ich finde, ich habe mit meiner Firma einen guten Weg gefunden, um Familie und Beruf zu verbinden, ohne das irgendetwas zu kurz kommt, ausser mir manchmal.

 

Wenn du drei Wünsche frei hättest, was würdest du dir für deine Karriere wünschen?

Das ist eine gute Frage, Karriere im Sinne von immer weiter und höher und mehr Geld gibt es in meinem Beruf nicht so richtig. Das ist auch nicht meine Lebensphilosophie. Für mein weiteres Berufsleben wünsche ich mir, dass ich diesen noch sehr lange ausüben kann, dass ich weiterhin interessante Menschen kennenlerne und anspruchsvolle Arbeiten mache.

 

Wie lange bist du du schon Desperate Workwife? Was bedeutet es für dich?

Ich bin seit Ende 2017 ein Workwife, was anfangs für mich eine sehr grosse Herausforderung war, weil ich mich unter Frauen immer sehr unwohl gefühlt habe.

ABER: Heute kann ich sagen, dass mir die Workwives echt sehr viel bedeuten und ich mich pudelwohl fühle. Die Workwives begleiten mich in meiner persönlichen Entwicklung, stehen mit Rat und Tat zur Seite und ich hoffe, dass ich mich genauso einbringen kann.

 

Welche weiteren Ziele möchtest du in deinem Leben noch erreichen?

Ich habe noch sehr viele Ideen, die mir so im Kopf rumschwirren, mir fehlt aber immer etwas der Mut. Angefangen bei den kleinen Dingen im Leben wie meine Geschichte niederzuschreiben, in einem Chor zu singen, bis hin zu einem Studium.
Derzeit liegt vieles noch in der Ferne, aber jeden Morgen habe ich das Gefühl, dass ich den Ideen und Zielen Stück für Stück näher komme.

 

Was möchtest du anderen Frauen mit auf den Weg geben?

Da ich mein Leben meistens außerhalb der „weiblichen“ Linie gelebt habe, weiss ich heute, dass jede Frau alles schaffen kann, was sie will, wenn sie nur den Mut hat. Glaubt an euch und eure Fähigkeiten.
Es gibt immer einen Weg sich selbst zu verwirklichen.
„Und am Ende wird alles gut“

 

Herzlichen Dank an dich, liebe Anke, für dieses sehr offene Interview. Schön, dass du bei uns bist!

3 Kommentare
  1. Erdme 1 Jahr her

    Vielen Dank für das Interview, Anke! Schön, dass Du Deinen Beruf gefunden hast und damit gut zurecht kommst. Dir schwirrt ein Studium im Kopf rum und ich als „Studierte“ träume manchmal davon, ein Handwerk auszuüben (allerdings bin ich da sehr talentfrei 😆).

  2. Margarita Moerth 1 Jahr her

    Diese Frau geht ihren Weg, kam mir spontan in den Sinn, während ich den Beitrag las, zielstrebig, doch nicht mit Brachialgewalt.
    Liebe Anke, weiterhin viel Freude beim Handwerken! Ich bin sicher, dass Du die für Dich richtige Fortsetzung findest, ob im Gesang, im Studium, in beidem, – oder auf eine ganz andere Weise.

  3. Anke 1 Jahr her

    Danke für eure lieben Worte.

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